Mingeri Lüt (4)

Veröffentlicht in S’CHEFELI VERZELLT

Freddy Röthlisberger erinnert sich, wie in den 40er-Jahren zahlreiche Hausierer an die Haustür geklopft haben. Sie mussten bei seinem Grossvater ihr Patent unterschreiben lassen. Die meisten kannte er beim Namen, da sie periodisch im Dorf erschienen sind. Beim Auftauchen der einzelnen Fahrenden war jeweils der Kaufzettel seiner Mutter schon vorbereitet, da das einzige Spezereilädeli in seinem Dorfe nur ein kleines Angebot hatte, und die Ware des praktischen „Hauslieferdienstes“ wegen zudem gleich viel kostete, wie die aus dem Detailhandel. 

An einen Hausierer erinnere ich mich sehr gut. Mein Künstler hat auch diese Figur in Bronze gegossen und dazu geschrieben: 

D’s Zigermannli

Er verkaufte Schabziger, war immer lustig und freundlich und dazu nicht einmal aufdringlich. Alle hatten das „Zigermannli“ gern, weshalb ich sicher bind, dass er gut Geschäfte gemacht hat. Im Gegensatz dazu sind die heutigen Verkaufsmethoden aufdringlich und arrogant geworden. Man denke nur an die lästige Telefonwerbung, um derentwillen wir immer wieder gestört werden. Auch die Reklamen im Fernsehen und Internet werden von den Konsumenten nur geduldet, weil sie helfen, die Gebühren zu senken. Nicht zu reden vom fragwürdigen Umgang mit manipulativen sexistischen Bildern, welche nur den Zweck haben, alle möglichen Waren im Unterbewusstsein mit unseren Sehnsüchten und Trieben zu verbinden, um diese Dinge dann im Geschäft unwiderstehlich erscheinen zu lassen. 

Eine Frage: Was müsste man machen, um ein natürliches Gleichgeweicht zwischen Angebot und Nachfrage zu erreichen? Ist das durch Werbung generierte Angebot von nicht notwendigen Dingen die einzige Möglichkeit, um genügend Arbeitsplätze zu schaffen für viel zu viele Menschen?  

Bis zum nächsten Mal

Euer Chefeli