Mingeri Lüt (5)

Veröffentlicht in S’CHEFELI VERZELLT

Freddy Röthlisberger ist nicht nur Bronzebildner sondern auch Geschichtenerzähler und Fragesteller. Seine Werke, seine Figuren und seine Texte sind Kunst, Kultur, Philosophie und gesellschaftspolitische Kritik. Hier erzählt er von einem besonderen originellen „Beruf“ 

Dr Giger

Wenn wir heute Ländlermusik hören, so spielen eher das Schwyzerörgeli und der Bass eine Rolle. Dass unsere Volksmusik früher oft von einer einzigen Geige bestritten wurde, ist ganz in Vergessenheit geraten. Zu Gotthelfs Zeiten waren, wie man in seinen Erzählungen nachlesen kann, Tanzabende im grossen Saal des Dorfes mit nur einem Geiger selbstverständlich. Bei Festen rief man nach dem Fiedler. 

Heutzutage würde unsere Jugend sich kaum eine Nacht lang zu den improvisierten Klängen einer Violine vergnügen. Bedurfte es vor gut hundert Jahren nur einer einfachen Geige, um die Herzen der Jungen zu begeistern, so brauchte es in meiner Jugend bereits einer Kapelle oder Band dazu. Ein Sextett, ausgerüstet mit unverstärkten Instrumenten, war dabei schon sehr feudal. Sass ich im Freundeskreis bei Tisch, konnten wir uns bei der damaligen Lautstärke der Musik noch gemütlich unterhalten. Um 1990 ging ich noch einmal an eine Tanzveranstaltung, doch da musste ich mir dieOhren zustopfen, so laut war der Sound der riesigen und teuren Technik, welcher uns von der Musikerbühne herab umdröhnte. 

Nostalgische Frage: Wie wär’s wieder einmal mit dem Partner oder der Partnerin zu gedämpfter Musik zu tanzen (oder sich an einem Nebentisch zu unterhalten)? Braucht es immer die lauten Töne und Rhythmen, damit man sich wohl fühlt? Oder muss die eigene Seele übertönt werden, damit man leise Sehnsüchte äussern könnte? 

Bis zum nächsten Mal 

Euer Chefli