Mingeri Lüt (12)

Veröffentlicht in S’CHEFELI VERZELLT

Wer als interessierter Leser diese Folgengeschichten im Kontext verstehen will, ist gebeten, den 1.Artikel unter der Rubrik „s’Chefeli verzellt…“ den gleichnamigen Artikel sowie „Mingeri Lüt“ zu lesen. Heute folgt die zwölfte Geschichte. 

D‘Chuchimagd 

Bis weit ins zwanzigste Jahrhundert hinein war eine Küchenmagd in der gesellschaftlichen Wahrnehmung eine Person, auf die man herabschauen konnte. Im Kreis der „mingeren“ Leute dagegen war sie privilegiert, da sie an der Quelle der Nahrung arbeitete. 

Dank allgemeiner Schulpflicht ist es heute praktisch jedem Schweizer möglich, einen rechten Beruf zu erlernen. Die Folge davon ist, dass in unserer Gesellschaft niemand mehr sogenannte „niedrige“ Arbeiten ausüben will. Dafür rekrutieren wir Menschen aus anderen Ländern, die „dankbar“ sein dürfen, dass wir für sie einen solchen Job haben, wenn auch zu einem geringen Lohn. Augenfällig ist dabei, dass wir Dienstleistungen, auf die wir dringend angewiesen sind, noch immer abschätzig beurteilen. Stattdessen müssten wir diese mit allen Mitteln aufwerten, damit sie nicht nur für ausländische Arbeitskräfte, sondern auch für hiesige Junge attraktiv wären. Dann würden weniger Berufsleute herangebildet, die an ihrem Platz überfordert sind, und denen es viel besser ginge, hätten sie eine Position gewählt, die ihren Fähigkeiten entsprochen hätte.  Der Lohn für „geringe“ Tätigkeiten spielt natürlich eine Rolle, denn wenn man sich mit einer nicht sehr akzeptierten Tätigkeit ein tolles Auto und teure Ferien leisten kann, hat man doch ein Ansehen. Aber es bräuchte darüber hinaus auch ein gesellschaftliches Umdenken, sodass man auch mit Stolz eine Arbeit machen könnte, die kein Diplom voraussetz. 

Ach wie oft schrubbte ich, bereits müde von der Arbeit des Tages, auf den Knien in meinen dreckigen und zerschlissenen Arbeitskleidern den Atelierboden! Und doch waren diese Stunden für mich immer Anlass für ein besonderes Existenzbewusstsein. 

Eine Frage: Hätten wir nicht viel weniger Aussteiger, Arbeitsunfähige und solche, die unter „Burn-out“ leiden, wenn es wieder „mingeri Lüt“ im positiven Sinne gäbe?

Bis zum nächsten Mal

Euer Chefeli