Mingeri Lüt (11)

Veröffentlicht in S’CHEFELI VERZELLT

Wer als interessierter Leser diese Folgengeschichten im Kontext verstehen will, ist gebeten, den 1.Artikel unter der Rubrik „s’Chefeli verzellt…“ den gleichnamigen Artikel sowie „Mingeri Lüt“ zu lesen. Heute folgt die elfte Geschichte.

dr Bäsewüscher 

Ein Knecht wischt den Platz vor der Scheune und spielt mit dem Käsereihund. Knecht-sein auf einem Bauernhof war noch bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhundert ein Beruf, der sich aus der Armut der Bevölkerung und der Überkindung der Bauernfamilien ergab, denn traditionsgemäss übernahm nur der jüngste Sohn den väterlichen Hof. Alle anderen Geschwister hatten die Wahl, entweder auszuziehen oder gegen Kost und Logis ihr Leben lang als Knecht oder Magd daheim zu bleiben. Da diese Menschen kein Einkommen hatten, wurde ihnen auch die eigene Familiengründung versagt. Die vielen unehelichen Geburten, das florierende Söldnerwesen und die Verdingkinder jener Zeit sprechen Bände. Das einzig Gute an diesem modernen Leibeigentum war, dass die Knechte und Mägde eine mehr oder weniger gesicherte Lebensstelle hatten und zudem vielfach selbstständig im Betrieb arbeiten konnten. Die Bauern brüsteten sich gerne damit, dass das Gesinde es gut bei ihnen habe. Auch hörte man allenthalben den Lobgesang vom treuen Knecht. Die Knechte waren dringend benötigte, billige Arbeitskräfte, die sich im Bewusstsein ihres Wertes mit dem Hof identifizierten und stolz darauf waren, in einer angesehenen Bauernfamilie zu arbeiten. 

Eine Überlegung: Manch einer hält seine Arbeit für zu gewöhnlich, um sich damit zu brüsten. Es täte ihm aber gut und wäre gerechtfertigt, wenn er auf seine Leistung stolz wäre. Andere wiederum bilden sich etwas ein auf eine Stellung, der ihre Fähigkeiten nicht genügen können. Es ist keine Schande, ein Arbeiter zu sein. Schändlich ist es schon eher, eine berufliche Position einzunehmen, der man wissentlich nicht gewachsen ist oder sich mit Titeln zu schmücken, die man nicht erworben hat. 

Bis zum nächsten Mal

Euer Chefeli