S'Chefeli verzellt: Mingeri Lüt (3)

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Mingeri Lüt (3) 

„Dir sit ja nume es Chudermannli“ war eine Redewendung, mit der Amtsleute einem Bittsteller das Gehörrecht verweigerten. Die Bezeichnung „Chudermannli“ war ein verächtlicher Spottname. Dass solches Gehabe noch heute überall anzutreffen ist, bedarf kaum der Erwähnung. Legendär ist der Ausspruch einer bekannten Berner Patrizierin, die ihr Gegenüber jeweils zu fragen pflegte: „Sit dir öpper, oder nähmed dir Lohn?“ 

Mein Künstler Freddy hat eine wunderbare Bronzefigur als Chudermannli geschaffen und dazu geschrieben: 

s’Chudermannli 

Der Ausdruck „Chudermannli“ war zu Gotthelfs Zeiten ein abwertendes Schimpfwort für Männer aus ärmeren Gesellschaftsschichten. „Chuder“ dagegen war ein begehrter Grundstoff für Textilien aus Hanf. „Chuder“ für das Entzünden des Herdfeuers herzustellen war ein Erwerbszweig armer Leute, welche diese Zunderwolle von Haus zu Haus verkauften. Trotz ihres geringen Ansehens waren die „Husierer“ auf den Höfen sehr willkommen, da sie Neuigkeiten und Dorfklatsch mitbrachten und auch bereit waren, Nahrichten zu überbringen. Als Vertrauensboten leisteten sie der bäuerlichen Gesellschaft oft wertvolle Dienste. 

Apropos gesellschaftliche Kommunikation: Der langsame, physische Mitteilungsweg von damals ist heute nicht mehr notwendig. Fast jeder trägt eine mobile Kommunikationseinheit, überall und jederzeit bereit, in seiner Tasche. In der Öffentlichkeit ist es sogar schon fast ein Ding der Unmöglichkeit, einen fremden Menschen anzusprechen, denn er trägt Stöpsel in den Ohren. 

Eine Frage: Seid Ihr heutigen Menschen dank Eurer permanenten Vernetzung weniger einsam als Eure Vorfahren? Ist Euer Leben dank der ständigen Informationsflut interessanter, dramatischer und lebenswerter geworden? 

Bis zum nächsten Mal

Euer Chefeli