Warum Urs Indermühle Gemeindepräsident werden muss

Veröffentlicht in Artikel Gemeindeanliegen

Ein Gemeindepräsident ist mehr als der Primus inter pares. Er trägt die wichtigste Verantwortung aller Gemeinderäte, betreibt den grösseren Aufwand, muss weit mehr Zeit investieren, soll über mehr Kenntnis, Kompetenzen und Erfahrung verfügen und wird auch besser entschädigt dafür. Die Wahl in dieses Amt ist eine Majorzwahl, primär eine Personenwahl, aber vergleichsweise auch eine Anstellung. Wie leichtfertig mit der höchsten Stellung in unserer Gemeinde umgegangen wird, erstaunt. 

Vorgeschichte

Vor zwei Jahren liess uns Leandro Manazza bis nach den Sommerferien mit seinem Entscheid warten, ob er nochmals als Gemeindepräsident kandidieren werde. Wir waren bereit, mit einer Kandidatur für die Nachfolge zu sorgen, auch wenn die Zeit ungebührlich kurz geworden wäre. Wir haben dann aber die Wiederwahl von Leandro einstimmig unterstützt, aber auch klar kommuniziert, dass wir mit Urs Indermühle einen Kandidaten aufbauen und ihn auf dieses wichtige Amt vorbereiten werden. Diese Transparenz und Offenheit wurde geschätzt, und zu keiner Zeit ist Opposition im Rat oder sonst wo entstanden. 

Motivation und Vorbereitung

Urs Indermühle hat aus diesem Grunde auch das Vizepräsidium und das anspruchsvolle Ressort „Finanzen“ übernommen. Berufsbegleitend hat er sich zum Dipl. Gemeindepolitiker ausgebildet, von denen es noch nicht viele gibt. Mit seinem Arbeitsgeber hat er die nötigen Abklärungen getroffen, denn als Kadermann, auch bei Swisscom, ist es nicht selbstverständlich diese Position halten zu können, wenn man das Pensum auf 80% reduzieren will. Das klärende Gespräch mit der Familie und allen von einem solchen Entscheid Betroffenen hat er vorgängig geführt. 

Die Überraschung

Wie aus dem Nichts hat Leandro Manazza seinen Rücktritt auf Ende Jahr an einer Gemeinderatssitzung unter „Verschiedenem“ bekanntgegeben. Weder die Ratsmitglieder, noch der Vizepräsident oder der Gemeindeverwalter haben etwas davon gewusst, zumindest haben sie dies so ausgesagt. Genau 2 Monate hatten die Parteien und die Bevölkerung Zeit, eine Kandidatur zu melden. Dieses Vorgehen lässt Stil und Verantwortungsbewusstsein vermissen. Üblich ist, dass ein solcher Rücktritt ein Jahr zum Voraus bekannt wird, es sei denn, es liegen besondere Gründe vor. Kaderleute, insbesondere Chefs, haben üblicherweise eine Kündigungsfrist von sechs Monaten. 

Die fehlende Kooperation

Die SVP und Urs wussten, was sie zu tun hatten trotz fehlender Vorlaufzeit. Wir wollten wissen, ob aus den Reihen der Gemeinderäte eine weitere Kandidatur zu erwarten ist, oder ob sich die SP nun auch loyal zeigen wird. Als Präsident wollte ich ein Gespräch mit der anderen Parteileitung. Nur fand ich keine Parteileitung. Auf der nicht nachgeführten oder aktualisierten Homepage der SP Seftigen findet man heute noch unter „Aktuellem“ den Artikel, der beginnt mit:

„Ende Jahr musste unser langjähriger Gemeindepräsident Peter Mathys wegen Amtszeitbeschränkung zurücktreten. Die SP hat an seiner Stelle seinen langjährigen Gemeinderatskollegen Leandro Manazza, 55, Berufsschullehrer als Gemeindepräsident vorgeschlagen.“

Nicht einmal die parteieigene Kandidatur 2014 ist dort zu finden.

Die Antwort bezüglich einer Kandidatur fanden wir im Thuner Tagblatt: 

                                         „SP überlässt das Präsidium nicht kampflos der SVP“.

 

Nun wollten wir wissen, wer diese SP wirklich ist. Gefunden wurde ein Ausschuss mit der Ansprechperson Leandro Manazza. Derselbe war vor zwei Jahren noch Initiant der 3. Kraft für Seftigen! Unser Vorschlag, ein Podiumsgespräch mit den beiden Kandidierenden durchzuführen, wurde von diesem und Monika Messer abgelehnt mit unter anderen folgenden Begründungen: 

  • Die Gemeindepräsidenten-Ersatzwahl ist für ein solches Gespräch nicht geeignet.
  • Die Gesamterneuerungswahlen sind dafür die passende Gelegenheit.
  • Mit dieser Ersatzwahl wird nichts Grundlegendes verändert.
  • Die beiden Kandidaten sind den interessierten Wählern ausreichend bekannt.
  • Ein Podiumsgespräch kann zur Entscheidungsfindung wenig beigetragen. 

Diese Haltung stelle ich der Verweigerung eines Vorstellungsgespräches nach einer Bewerbung gleich. Soll ich dies als mündiger Bürger noch kommentieren? Haben die „nichtinteressierten Wähler“ und Steuerzahler keine Ansprüche?

Wahres und Unwahres

Man gewinnt den Eindruck, als wäre die Erwartungshaltung der Stimmbürger gegenüber diesem Amt und dieser Funktion gering bis inexistent. Es wird nicht zur Frage, ob Fachkenntnis, Führungserfahrung und breite Kompetenz zur Verfügung stehen, sondern ob man dem Glauben verfallen ist, die Parteizugehörigkeit sei dafür genügend und entscheidend. Die SVP hat sich im Rat immer loyal gezeigt, auch wenn sie die Regierungsmehrheit hatte. Nochmals: Es geht hier um eine Personenwahl, und es wird nicht im Proporz gewählt. Objektiv muss anerkannt werden, dass Urs Indermühle einen größeren Rucksack mit dem richtigen Inhalt mitbringt. Da täuschen auch falsche Aussagen in der Presse nicht darüber hinweg, wenn geschrieben steht, Monika Messer sei seit 2012 im Gemeinderat. Tatsache ist, dass sie noch keine 2 Jahre dieses Amt inne hat, auch wenn dies im Radio mit langjähriger Erfahrung als Gemeinderätin qualifiziert worden war. 

Frauenbonus

Kann das Gemeindepräsidium eine Frau ausüben? Natürlich! Aber es reicht nicht, eine Frau zu sein. Der Entscheid muss von der Person und ihrer Fähigkeiten abhängig sein, nicht von ihrem Geschlecht. Auf der Gemeindeverwaltung arbeiten praktisch ausschließlich Frauen, zurzeit derer fünf. Diese haben ihren Job nicht des Frauenbonus wegen, sondern aufgrund ihrer Qualifikation. 

Demokratieverständnis

Wir führen keinen Kampf gegen Monika Messer. Wir setzen uns aber für Urs Indermühle ein, weil er sich für dieses Amt seriös und gezielt vorbereitet hat, um den Anforderungen zu genügen. Er ist kein Kandidat, der nur der Partei zuliebe unnötige Energie auf Nebenschauplätzen verpuffen will. Urs will selbst- und nicht fremdbestimmt Gemeindepräsident werden Er hat bewiesen, was er kann, sich weitergebildet, dazugelernt und ist bereit, wirkliche Verantwortung zu übernehmen. Sollte Monika gewählt werden, dann ist dies der Entscheid des Stimmvolkes von Seftigen, welche die SVP mit ihrem Demokratieverständnis akzeptieren und tragen wird. Nur hätte sie gerne mehr zur Entscheidungsfindung beigetragen und sich erhofft, dass die SP mehr Offenheit, Kooperation, Transparenz, Loyalität und auch Ehrlichkeit der Sache und der Gemeinde zuliebe gezeigt hätte. 

Monika Messer ist gut, aber Urs Indermühle ist besser!

 

Paul Hunziker, Präsident