DAS WORT DES PRÄSIDENTEN

Veröffentlicht in Artikel Gemeindeanliegen

Es ist wieder Zeit, Bilanz, Fazit und die Schlussfolgerungen zu ziehen. Haben wir unsere Vorgaben erreicht und die selbstgemachten Auflagen eingehalten? 

Gestern war heute morgen.

In der Verkehrsplanung konnten wir unsere Lösungsvorschläge zwar nicht durchbringen, aber grösseres Unheil verhindern. So wurde die Planung sistiert und keine Hau-Ruck-Übung zur äusserst fraglichen Umsetzung durchgeführt. Dank der SVP Seftigen wurden gewaltige Kosten vermieden. Die Varianten der Planer sind keine Lösungen für die Ursachen- sondern nur für die Symptombekämpfung. Wann wird endlich ein Projekt so in Angriff genommen, dass beim Bund über das Agglomerationsprogramm Subventionen zu holen sind? 

Unser Hinweis auf die unsinnige Situation mit der Ortstafel und der Postadresse von Burgistein-Station wurde zur Kenntnis genommen, und der Vorschlag jetzt umgesetzt. Dies geschah aber so spät (letzte Woche Oktober), dass ich dies in einem früher schon getippten Artikel weiterhinten nochmals bemängelt habe. Es brauchte wohl die aussergewöhnliche Situation für die Feuerwehren beim Brand des Allmendhofes. 

Der junge Mann, von welchem im letzten Kurier die Rede war, durchsucht weiterhin Abfälle und Aschenbecher nach für ihn Brauchbares und geht Passanten um Geld an, um damit gleich Bierdosen zu kaufen. Er tut niemandem was und schadet niemandem. Aber es ist ein schlechtes Zeugnis für unsere Gemeinde insbesondere für das Ressort „Soziales“. Es kann doch nicht sein, dass ein Mann, körperlich unversehrt, noch nicht einmal in der Mitte seines Lebens angelangt, ziel- und strukturlos, ohne Inhalt und Vorgaben, auch ohne Integrationsmassnahmen und soziales Umfeld dahinvegetiert. Muss er auch noch die nächsten Jahrzehnte mit dieser Lebensqualität leben? Hätte er einen Migrationshintergrund, wäre er Asylant, ginge wohl schon längst ein Aufschrei der linken Seite durch die Gemeinde und den Gemeinderat. 

Wir hatten die Organisation und Durchführung der 1.Augustfeier im Tätigkeitsprogramm. Die Dorfkommission wurde aber vom Gemeinderat damit beauftragt. Die SVP hat ihre Hilfe angeboten. Wir wurden jedoch weder angefragt noch informiert. Was folgte, war eine Einladung zu einem Apéro und Kulturaustausch mit „Daheimgebliebenen“. Statt Grillwurst, gespendet von der Burgergemeinde wie früher, gab es Häppchen zubereitet von Einwohnern mit Migrationshintergrund. An die 1. Augustfeier sollten Finnenkerzen erinnern, die nie brannten aber grausam stanken, und ein Fackelumzug. Drei aus Thun angeheuerte Tambouren führten fünf!!! Teilnehmende durch die Strassen. Einen Kulturaustausch mit unseren ausländischen Freunden kann man an 364 Tagen im Jahr durchführen, sollte es aber nicht am 1. August tun. Dazu hat im Interview die Verantwortliche für sich selbst redend von einer Bundesfeier mit einem überwältigenden Echo gesprochen. Die Frage sei erlaubt, ob es die Dorfkommission überhaupt noch braucht. Wir haben schon Effizienteres abgeschafft. 

Wir haben 2013 seit vielen Jahren wieder einmal ein Defizit in der Gemeinderechnung hinnehmen müssen. Wir können es uns aber immer noch leisten, Räumlichkeiten im Gemeindehaus, nämlich jene der ausgelagerten Bauverwaltung, ungenutzt zu lassen und nicht zu vermieten. Noch schlimmer, der Gemeinderat musste einen Kredit von Fr 35‘500.- für die Sanierung sprechen. Sache ist, dass die Baukommission, der Verwalter der gemeindeeignen Liegenschaften und auch das Team um K. Kammermann, welche sich mit der Nutzung und Umgestaltung zu befassen hatten, ausgebootet wurden. Der Gemeindepräsident selber hat aus dem Internet eine Occasionsküche gepostet. Wie transparent und mit welcher Einmischung in das Operative läuft dieses Geschäft? Schenken wir den Prognosen Glauben, dann werden wir 2016 bis 2019 Überschüsse erzielen. Mein Glaube wird zur Zuversicht, denn Urs Indermühle steht hinter dieser Prognose und unsere Mehrheit im Gemeinderat.

Die Bauverwaltung ist echt „ausgelagert“ worden. Wie lässt sich sonst erklären, dass „unser“  Bauverwalter und unsere Baukommission bis dato noch nie mit dem rund 30 Millionenprojekt „Sunneguet“ konfrontiert oder dazu befragt worden sind? Wer kennt denn die planerischen, lokalen Begebenheiten und die möglichen Probleme, die als Folge berücksichtigt werden müssen, besser als Kurt Kammermann, der noch zur Verfügung gestanden hätte? Müsste der teure Entscheid, die Bauverwaltung nach Wattenwil auszulagern, nicht rückgängig gemacht werden? Er ist darum teuer, weil die guten Dienstleistungen, der service public, für unsere Gemeinde weitgehend verloren gingen. 

Morgen ist heute gestern

Der Blick nach vorne ist wichtiger als jener zurück, und der Blick nach den Sternen fördert den aufrechten Gang. Vor uns liegt die Zukunft, die beeinflusst werden kann. Aus der Vergangenheit soll man aber lernen. Gouverner c’est prévoir! Damit ist gemeint, dass Führen strategisch zu denken heisst, voraus zu schauen. Es gilt an die Nachfolgegenerationen zu denken und diesen nicht alles (vor)wegzunehmen. Es ist sinnvoll, für die Jugend eine Sportarena zu bauen. Aber es ist unlogisch gleichzeitig zu behaupten, die Kinderzahl werde nicht mehr ansteigen und damit ein von der Gemeindeführung initiiertes Projekt für ein Alters- und Pflegezentrum zu begründen? Bringen 66 Pflegeplätze Steuersubstrat, wenn man weiss, dass praktisch all diese Bewohner Ergänzungsleistungen benötigen? Ist die Nachhaltigkeit für die Gemeinde punkto finanzieller Beiträge wie Steuern und anderem gross, wenn diese „SOLVIVA“ ihren Firmensitz in einem anderen Kanton hat? 

Es gilt also vorauszuschauen und nicht situativ unnötige und nicht mehr korrigierbare Entscheide zu treffen. Wichtig sind die richtige Information und nötige Transparenz, eine Politik, die sich an der Basis orientiert. Dazu benötigt es die richtigen Personen an der richtigen Stelle, auch an jener des Gemeindepräsidiums. Es braucht aber auch Bürger, die Eigenverantwortung übernehmen, die sich auch getrauen dem Büsi einmal Katze zu sagen. Es kann nicht sein, dass man immer noch hören muss: „ich kann es mir nicht leisten, einer Partei anzugehören“; „ich würde mich schon gerne vernehmen lassen, aber ich darf meinen Namen dafür nicht hingeben“; „Politik wird in Seftigen nicht von den Parteien gemacht, sondern von den Einflussreichen, die schon seit je her die Fäden ziehen“; „um dies zu verstehen, muss man seit Generationen die Zusammenhänge und Geschichten kennen“. Nein, das können wir so nicht hinnehmen. Wir haben immer noch eine Demokratie und keine Oligarchie oder Aristokratie. Dabei hoffe ich auf jene, die hierher gezogen sind und noch kommen werden, hier Wurzeln schlagen und bleiben wollen. Ich wünsche mir, dass diese den Mut haben, Flagge zu zeigen. Man kann nicht nicht-politisch sein! Wir wollen eine fortschrittliche, bürgernahe Gemeinde. Dafür braucht es Ortsparteien, die diesen gemeinsamen Nenner haben und nicht Partial- und Personeninteressen vertreten. Gerade von der SP würde ich mir ein solch „soziales“, kooperatives und transparentes Verhalten wünschen. Wenn sie den Dialog nicht suchen, könnten sie ihn wenigstens annehmen. Unsere Stärke soll nicht nur darin bestehen, dass wir die Mehrheit im Rat haben und damit die Regierungspartei sind. 

Ich hatte die Ehre und Freude, der SVP Seftigen vorstehen zu dürfen. Uns ist gemeinsam vieles gelungen zugunsten der Gemeinde, auch wenn dies nicht alle erfahren haben. Bis zu 10 Vorstandssitzungen und mehrere Parteiversammlungen pro Jahr sowie 60 Mitglieder sind Zeugnis dafür, dass diese Ortspartei lebt und funktioniert. Zeugnis dafür legen auch dieser Kurier und unsere Homepage ab. Es gäbe noch mehr Rühmenswertes. Aber auch dies ist „gestern“. Es muss weiter vorwärts gehen, noch besser werden. Dazu braucht es neue, bessere Kräfte. Mir ist einiges gelungen, mehr misslungen. Vieles war gut, noch mehr ungenügend. Mein Engagement war oft kontraproduktiv, auch wenn die Absicht eine bessere war. Es gilt, die Zeit zu erkennen, wenn man zurücktreten muss. Dies soll mir nun auch noch gelingen. Darum ist meine Zeit als Präsident abgelaufen, und ich trete mit einem (noch) guten Gefühl zurück. Ich bin ab jetzt auch einer von „gestern“. Wir haben positive, konstruktive, gemässigtere und sehr kompetente Mitglieder, die der Basis und der Partei jetzt mehr bringen können als ich. Auch diese werden mehr tun für Seftigen als für das Parteibüchlein, denn wer als SVP-Mitglied Gutes tut auf kommunaler Ebene ist regional, kantonal und schweizerisch auch ein gutes Parteimitglied. 

Paul Hunziker